Bemerkenswert

Die verträumte Grace aus der „Beauties“-Serie von New John Nissen mit der Seriennummer PW11 (und A12-Armen aus der „Liberty“-Serie)

Aus meiner Sicht ist sie eine der schönsten Figuren von allen jemals produzierten Mannequins. Unglaublich schön, diese hingebungsvolle Pose! Schon lange wollte ich die Grace aus der „Beauties“-Serie von New John Nissen. Dann entdeckte ich ein Inserat im Internet von der PW12, die kurz darauf meine Sammlung bereicherte und veredelte:

Blogbeitrag über die sitzende PW12 aus der „Beauties“-Serie von New John Nissen

Kurze Zeit später – ich traute meinen Augen nicht – war eine PW 11 aus der selben Serie zu kaufen, als Bestandteil eines Konvoluts von alten Schläppi’s und einer Arthema.

Konvolut New John Nissen / Schläppi und Arthema

Alle Figuren waren zum Teil schwer beschädigt, oder Teile fehlten. Die untere Abschlussplatte des Torsos bei der PW11 war erheblich eingerissen. Diese musste ich zuerst wieder verleimen, bevor ich sie reinigen und danach stylen konnte.

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Aber das Ergebnis ist phantastisch! Aber etwas fällt einem im Vergleich zum Originalbild im New John Nissen-Katalog sofort auf: die Arme sind horizontal weit ausgebreitet!

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Bei der Originalfigur sind sie etwas nach unten geneigt. Das rührt daher, weil der beim Kauf nur zwei Arme mit der Bezeichnung „A12“ dabei waren, welche an der Kupplung bei der Schulter aber kompatibel sind, obwohl sie aus der „Liberty“-Serie stammen.

Blogbeitrag über die Liberty-Serie von New John Nissen

Ich besitze aber eine „A12“ aus der „Liberty“-Serie mit falschen Armen und mit dem etwas schöneren „Belle“-Kopf, statt dem „Britt“-Kopf, wie im Originalkatalog. Diese hatte ich ca. 2008 aber mit den falschen Armen mit den Bezeichnungen „PW18“ und „PW21“ gekauft, damals nicht ahnend, dass sie aus der „Beauties“-Serie stammen. Teile aus diesen Serien sind untereinander meist kompatibel. Nun kaufte ich also kürzlich mit dem Konvolut die Originalarme für meine „Belle“ (A12) und hätte nun beim Tausch der Arme zwei „Beauties“-Arme für die PW11. Aber ich finde die Kombination „Grace“ mit den „A12-Liberty“-Armen einfach überwältigend schön!

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Weitere Bilder folgen bei Gelegenheit…..

 

 

 

 

 

Bemerkenswert

Mannequins / Schaufensterpuppen als Spiegel der Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Haute Couture als zentrales Thema im Elternhaus

Die Hochglanz-Modezeitschriften und Magazine von Vogue und Harper’s Bazaar lagen in meinem Elternhaus teils stapelweise herum, wobei ich mir die innere Ordnung nie erschliessen konnte, denn chronologisch schienen sie kaum zu sein. Mir ist es bis heute also nicht vergönnt, auch rückblickend, ein System der Priorisierungen erkannt haben zu dürfen – das soll auch so sein, denn Schönheit, Ästhetik, Mode sind ganz persönliche Empfindungen, die von Formen und Farben, von Licht und Schatten beeinflusst sind. Es gab zwar Versuche aus Milliarden von menschlichen Individuen ein Schönheitsideal aus der breiten Masse hervorheben zu lassen und dies je nach Epoche immer wieder neu. In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wollten gewiefte Werbepsychologen dahinter kommen, nach welchen Kriterien unser Unterbewusstsein ein Schönheitsideal bewertet. Das Ergebnis war recht simpel: je symmetrischer ein Gesicht ist, desto schöner erscheint es dem Betrachter. Eine solche Erklärung kann aber nicht die breite Empfindungspalette abdecken, die Menschen in ästhetischer Hinsicht besitzen. Dennoch ist es rätselhaft, wie sehr Mode und Schönheitsempfinden dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen sind und es eine erstaunliche suggestive Kraft gibt, die Trends zu fokussieren vermag. Jedenfalls kann ich mich schwach erinnern, das Wort Haute Couture so oft als Kind im Elternhaus gehört zu haben, dass es zu meinem Grundwortschatz im Vorschulalter gehörte.

Meine Tante war eine begnadete professionelle Schneiderin, sowie meine Grossmutter mütterlicherseits. Neben ihrer täglichen Arbeit, fertigten sie auch Kleider für meine Mutter an, die mit etwas über 1.80 Meter Grösse damals gültige Modellmasse besass. Ansatzweise lässt sich vermuten, dass nach der Reihenfolge der in Auftrag gegebenen Kleider auch die Hefte bereit lagen, die ich oft durchblätterte, sogar öfters als ein Spielwarenkatalog. Manche waren so dick wie die in ländlichen Gegenden damals gebräuchlichen Telefonbücher. Die Fotos in den Katalogen wurden in den berühmten Mode-Metropolen Paris, London, Mailand und New York gemacht – Grossstädte in denen Trends gesetzt wurden.

Ausbildung zum Werbe- und Modefotografen

Am Anfang begeisterte mich schon eher die Landschaftsfotografie, als ich das erste Mal mit 12 Jahren eine Nikon F Spiegelreflexkamera in die Hand nahm und im Alter von 15 die Dunkelkammertechnik erlernte. Ein Jahr später war mir klar, dass ich eine Lehre als Fotograf beginnen wollte und so arbeitete ich nach der Schule u.a. für Achille Weider, der in Zürich ein sehr bekannter Modefotograf war. Wenn während dem Fototermin die schlanken, sich wie Gazellen bewegenden, schönen Geschöpfe über das Parkett stakten, gab es am Anfang schon das eine oder andere Mal, dass mir beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Doch ich gewöhnte mich an die ein- und ausgehenden Supermodells und mit der Zeit war es nicht mehr so ausserordentlich aufregend. Aber es waren schon Wesen die mich zuweilen verzaubern konnten; betörend, in einer magischen Atmosphäre. Die Disco-Glitzerwelt von Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre war ohnehin magisch.

Ein wenig Nostalgie…. „the Golden Ages“…

Wenn ich also heute, 40 Jahre später, Schaufensterfiguren ansehe, schwingen schon nostalgische Gefühle an diese sehr spannende Zeit des Aufbruchs mit, als sich in der Werbung neue Horizonte eröffneten und die Schaufenster sich in Erlebniswelten verwandelten und der Begriff „visuelles Merchandising“ sich verbreitete. Ansprechend sollten sie sein, sympathisch, die Schaufensterpuppen, die potentielle Kundschaft in ihren Bann ziehen sollten. Die heutigen Sammler von Vintage-Mannequins sprechen von den „Golden Ages“, von den goldenen Jahren, als die in Europa führenden Hersteller, wie Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen die wunderschönen, naturalistischen Schaufensterfiguren auf den Markt brachten. Heute sind die „Eierköpfe“ nur noch von den Körpermassen dem Menschen ähnlich. Man glaubt, der Betrachter sei durch die Stilisierung der Figur mehr auf das Kleid konzentriert, was verkaufsfördernd wirke. Man vergass dabei, dass der Mensch das „Gesamtpaket“ unterbewusst beurteilt und ein ästhetisches Empfinden besitzt, in dem das Gefühl für Schönheit entwickelt wird. Und so sind die stilisierten Mannequins von heute vielen zu abstrakt und ich bin nicht alleine, wenn Menschen sich nach den „Golden Ages“ zurücksehnen.

Mannequins: Träume in Kunstharz / visuelles Marketing und Gebrauchskunst

Dutzende Sammlerinnen und Sammler weltweit kümmern sich um die Erhaltung von Mannequins, der speziellen Form von Werbeplastik. An dieser Schaufensterkunst aus mehreren Jahrzehnten, lässt sich die Entwicklung in Gesellschaft und Mode ablesen und sie ist ein Spiegel der Zeit, in der sich das Schönheitsideal immer wieder veränderte. Als ich die erste Schaufensterpuppe ca. 1994 in einem Brockenhaus kaufte, fungierte sie als Objekt für die Voreinstellung des Studiolichtes, um mit dem lebendigen Modell später keine unnötige Zeit dafür zu verschwenden. Noch konnte ich nicht ahnen, dass mich rd. 14 Jahre später die Leidenschaft erfassen würde, in der ich nun begeistert Mannequins sammle. Inzwischen sind es über 140 Figuren, welche ich mir vom Sommer 2008 in den letzten zehn Jahren erwarb.

Dieses Blog hat zum Ziel, dem interessierten Leser eines der am wenigsten erforschten Gebiete im Bereich visuelles Marketing und Gebrauchskunst näher zu bringen. Es ist äusserst spannend, wenn z.B. ein „Dachbodenfund“ im Internet angeboten wird. Über Mannequins gibt es keine Fachliteratur, kein Bestimmungsbuch, wie bei Pflanzen und Schmetterlingen. Von den ahnungslosen Verkäufern werden öfters keine Angaben über den Hersteller, sowie die Seriennummer usw. gemacht und oft sind Aufnahmen mit dem Handy in schlechter Qualität gemacht worden, wonach es einiges an Fachwissen braucht und Erfahrung, um zweifelsfrei vor dem Erwerb die Figur einordnen zu können. Diese Phase erzeugt ein wenig Goldgräberstimmung, wobei mir diese Herausforderung enorm Spass macht. So werden Artefakte einer Kunstform gerettet, die sonst in Vergessenheit geraten würden. In der zweiten Phase werden die Schaufensterfiguren von mir gestylt und wenn nötig restauriert. Durch eine fachkundige Bestimmung bekommen sie nicht nur ihre eigentliche Identität zurück, sondern sie erhalten nicht selten ein sog. „Make-over“, ein Face- und Bodylifting, das ihnen zu einem zweiten Leben verhilft.

Mein Blog „Faszination Mannequins“ stellt hier nicht nur einige meiner sehr schönen Exponate vor, sondern hier werden auch einige Informationen über dieses Thema der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, die u.a. auch in meinem Fachbuch erwähnt sind. Ich hoffe Sie also auch zum Staunen zu bringen; viel Spass!

Inspiration-Magazin Nr. 47, aus dem Jahr 1972, von James Doiron, smugmug.com

Mein kanadischer Freund und Sammlerkollege James Doiron hat vor etwa 3 Jahren auf der Webseite smugmug.com einen Blog für die Publikation von Mannequinkatalogen gegründet, nachdem das erste Hochladen in den sozialen Medien zu ungeahnten Problemen geführt hatte; u.a. musste man zum Beitrag lange und mühsam in den jeweilen Beiträgen herunter scrollen und man verlor sehr schnell die Übersicht. Neugierig und höflich, wie er ist, fragte er in die Runde (in der Vintage-Mannequin-Sammlergruppe), ob wir – das heisst also jene wenigen Sammler, die gerne ihre Lieblinge identifiziert haben wollen – überhaupt ein Interesse an altem Informationsmaterial hätten und ich war wenige Stunden nach seinem Post online. Kurz vor mir schrieben zwei Sammler begeistert: „Oh, das wäre super toll!“ Ich schloss mich sofort an und meinte, dass die Internetrecherchen sich manchmal sehr aufwendig gestalten würden und das für mich auch eine enorme Hilfe sei. Nicht alle Sammler wollen wissen, von welchem Hersteller eine Figur ist und zu welcher Serie sie gehört hatte. Doch ich bin jemand, der die Mannequins, diese schönen Geschöpfe, als Kulturgut versteht, als Zeitzeugen, als Spiegel eines Modeverständnisses, was ein Licht auf die jeweilige Epoche wirft. Es ist von mir beabsichtigt, mit der Gründung 2018 dieses Blogs „Faszination Mannequins“ einen Beitrag zur Technik-, Design- und Kulturgeschichte von Schaufensterpuppen beizutragen, natürlich in diesem Ausmass noch nicht ahnend, welch spannendes Feld sich mir damit eröffnen würde. Wie zum Beispiel beim italienischen Hersteller „Prifo“, gibt es im Internet kaum noch Informationen (ausser diejenigen, die von mir in aufwendiger Forschungsarbeit zusammengestellt wurden, da ich selber einige Figuren von „Prifo“ besitze), weil der Hersteller schon vor vielen Jahrzehnten die Produktion eingestellt hatte. Von den etwa 52 Herstellern, die es gemäss meiner Erkenntnis zwischen 1960 und 2010 gegeben hat, existieren noch etwa 10. Selbst einer der ehemaligen Marktleader „Adel Rootstein“ ist vor Kurzem Konkurs gegangen und wurde von der italienischen Firma „Bonaveri“ aufgekauft; wie vor Jahrzehnten die einzige Schweizer Firma „Schläppi“.

Je mehr Zeit verstreicht, desto eher geraten die Mannequins in Vergessenheit und nur wenige kümmern sich um ihre Geschichte. Diese ist aber mit meinen Artikeln hier und mit dem Zugang zu den alten Katalogen nicht zu Ende erzählt. Wie James Doiron, ehemaliger Chefdekorateur in Kanada, gab es Tausende von Frauen und mehrheitlich Männer rund um den Globus, die als Schaufenster- und Innendekorateur beruflich arbeiteten und ihrer Kreativität freien Lauf liessen. Dazu verwendeten sie auch Mannequins, je nach Thema; und wie James noch ein grosses Archiv an eigenen Fotos seiner Displays besitzt, gibt es auch noch das Fachmagazin „Inspiration“, in denen annuell zur Ideenfindung, die neusten und schönsten, interessantesten Dekorationen publiziert wurden.

Aktuell hat James das Magazin „Inspiration“ Nr. 47 auf seinen Blog geladen, das insbesondere erwähnenswert ist, da unter anderem eine Serie aus dem Hause „Schläppi“ um das Jahr 1972 vorkommt, von der selbst ich als Experte auf dem Gebiet der Schweizer Schläppi Serienproduktion noch nie etwas gehört hatte.

https://jamesdoiron.smugmug.com/IInspiration-Magazine/INSPIRATION-47-1972

Von der Serie „Charleston“ mit der Seriennummer 2002, die in Form und Stil der Serie „500“ und der „2200“ von der Firma „Schläppi“ (Schweiz) sehe ich zum ersten Mal hier ein Bild.

Hingegen konnte ich diese für „Schläppi“ typischen avantgardistischen Figuren, die mir vertraut sind, sofort zuordnen. Sie waren damals revolutionär und im Umfeld des Modedesigners Pierre Cardin sehr beliebt. Sie bevölkern noch heute berühmte Museen, wie das Metropolitan Museum of Art in New York. Dieses Foto wurde um 1972 in der Grande Passage in Genf (Schweiz) aufgenommen.

Auch die Firma Karstadt in Deutschland verwendete diese „Schläppi“-Figuren, hier zum Theme „Bade-Rausch“.

„Auch die letzte Ausstellung präsentierte mit originellen Gestaltungsideen die Neuheiten in Display-Figuren der bekanntesten Fabrikate einem verwöhnten und anspruchsvollen Fachpublikum. Als dramatisierendes Gestaltungselement und verkaufsfördernder Träger der aktuellen Modetendenzen erobert die Display-Figur nicht nur alle Schaufenster, sondern mehr und mehr auch die Verkaufsräume.“

Für mich als Sammler sind solche Hinweise aus dem Jahr 1972 von grosser Bedeutung, da ich mich auch für Bilder aus jener Zeit enorm interessiere.

Man sieht hier im Vordergrund rechts eine sitzende, junge Dame, die sich hinter ihrem Rücken aufstützt. Es ist eine Hindsgaul „Twenty2“ mit der Nr. 7113 aus dem Jahr 1972. Weshalb kann ich sie trotz des von der Perücke verdeckten Gesichts und der grösstenteils durch die Kleider schlecht sichtbaren Haltung einwandfrei und unmittelbar identifizieren?

Weil ich selber stolzer Besitzer eine frisch restaurierten Hindsgaul „Twenty2“ mit der Nr. 7113 bin und es diese Figur meines Wissens weltweit nur noch ein einziges Mal gibt – und in einem Topzustand -: bei VAMD.

VAMD, Januar 2026, Schaufensterdekoration mit einer John Nissen CT 18 (?) auf einem Schlitten.

Seit 2021 hatte ich die Idee im Hinterkopf, von einer Inszenierung meiner sitzenden John Nissen Schaufensterpuppe auf einem alten Schlitten aus Metall, den ich in einem Brockenhaus fand und der mich an meine frühe Kindheit erinnert, als ich mit etwa 7 Jahren mit einem ebensolchen kleinen, roten Schlitten, wie die „Feuerwehr“ im Winter den kurzen, steilen Abhang vor dem Schulhaus „Heubeeribühl“ hinunter sauste. Als Jugendlicher wagte ich mich natürlich bereits auf die extra präparierte Schlittelbahn in Davos, bei welcher man schon durch einen extra präparierten Eiskanal schoss – oder eben dann mit 23 mit Freunden eher darum ging, wer als Erster im Zielraum am Ende der gewundenen Passstrasse ankam, die Wrestling-Attacken unterwegs auf den Schlitten „überlebend“.

Die Serie „Jeunesse“ (dt. „Jugend“) von John Nissen wurde gegen Ende der 70er-Jahre, Anfang der 80er-Jahre produziert und weltweit verkauft und hatte das Ziel, eher die junge Generation zu repräsentieren, während „Madame“ und die Serie „Fashionable“ eindeutig für die erwachsene Klientel entwickelt wurde.

Emotionale Gesichter und Gesten (oben Originalkatalogbilder von damals) sollte das Lebensgefühl der jungen Frauen verkörpern und anziehend wirken. Ich gehe davon aus, dass die Alterskategorie zwischen 18 und 23 liegen dürfte, was nur geschätzt ist und nicht überliefert. Leider sind auch die Kataloge nicht mehr in vollem Umfang auffindbar, weshalb nicht 100%-ig zweifelsfrei meine sitzende Figur (oben links mit den Stiefeln) die Seriennummer CT 18 trägt.

Was bei dieser Serie noch oft geschieht ist, dass irgendwann mit der Zeit und im Verlauf der Jahrzehnte von den jeweiligen Besitzern die Arme und Hände aus verschiedenen Gründen vertauscht wurden, oft weil man keine Referenzbilder aus Katalogen mehr hatte. Weil die Handgelenk- und Schulterverbindungen innerhalb der Serie und hier sogar serienübergreifend aus technischer Sicht kompatibel sind, hat man da vermutlich aus dem Lager einer Boutique einfach einen anderen Arm montiert, wenn einer kaputt ging, oder man sich die Zeit nicht nahm, gemäss der meistens bezeichneten (schwarzer Filzstift, von Hand) Seriennummern die Teile korrekt zusammenzusetzen, um auch dem Anspruch aus ästhetischer Sicht zu genügen.

So erkennt man spätestens beim Entwickeln von Ideen, wie man das Modell in Szene setzen will (hier links 2021 bei Probeaufnahmen mit dem roten Schlitten) und wo die ästhetische Problematik liegt, denn die Geste hat mit derjenigen im damaligen Originalkatalog nichts gemeinsam. Im angekleideten Zustand, stört dann in der Schulterverbindung auch der oft sichtbare Überhang in Bezug auf die Passgenauigkeit bei der Nut nicht, da ja dieser verdeckt ist. Doch für einen eingefleischten Sammler sind natürlich falsch angebrachte Teile sehr störend, es sei denn, man denke sich eine mögliche Geste auch während der Fahrt mit dem Schlitten aus: natürlich der unverzichtbare Blick auf’s Handy!

Aber genau dies ist das Reizvolle an der Kunst, weshalb mein Projekt auch „Vintage ART Mannequin Display“ heisst, wonach verschiedene Elemente zu einem Gesamtwerk zusammengefügt werden, nach meinen Vorstellungen von einem harmonischen Ganzen.

Natürlich muss der Schlitten schräg stehen, damit eine Dynamik in die Szene hinein kommt. Dieser Hügel und Abhang muss nur angedeutet sein, aber als schneebedeckt empfunden werden; stabil genug, dass der Schlitten mit dem Mannequin darauf auch in dieser Position hält. Mit Holzscheiten und einem weissen Tuch habe ich den Unterbau auf einem Salontischchen gebastelt und mit Stopfwatte den Schnee „verteilt“, der flauschiger und viel besser war zu verarbeiten, als normale Watte, aber etwas dunkler ist. Ich kaufte also eine Dose Glitter und schon sah dieser „Schnee“ wie echt aus, was vor allem von diesem Glitzereffekt her rührte. Dies funktioniert natürlich nur mit viel Licht und mit der idealen Positionierung der Lichtquellen. Bei dieser Arbeit kann ich auf die jahrelange Erfahrung als Werbe- und Modefotograf zurückgreifen, obwohl jedes Display wieder neue, ganz eigene Herausforderungen bietet. Ich liess vom vorangegangenen Display den Spiegel (links) stehen, sowie die Hauptleuchte am rechten Bildrand, die zwar ein Warmlicht ist, mir aber viel zu wenig von der gewünschten „Atmosphäre“ erzeugte. Also korrespondierend zum Bild im Hintergrund, das ich von einem Foto von mir vergrössern liess, brachte ich den weissen Lichterbaum mit dutzenden von kleinen LED-Lämpchen an. Dieser soll die LED-Hängelämpchen-Gardine an der linken hinteren Rückwand als Thema wieder aufnehmen und dem Ganzen einen „cozy touch“ geben, heimelig und gemütlich, noch etwas an Weihnachten erinnernd. Die Figur darf natürlich auf dem Schlitten in dieser Schräge nicht rutschen. Sieht kein Mensch: den blauen kleinen Streifen unter dem Hintern. Die Bodenschutzplatten vom Baumarkt aus einer Art festem Schaumstoff in der Grösse 50 cm x 50 cm geben den Dingen, die darauf gestellt werden einen rutschfesten Halt und lassen sich mit einer normalen Schere auf Wunschgrösse zuschneiden (und es gäbe sie auch in der Farbe grau). Die weissen Hosen stammen aus dem Brockenhaus in Reinach in der Grösse 34, mit einer Hosenbundkordel und einem Gummizug in der Hüfte, was bei sitzenden Schaufensterfiguren für eine gute Passform sorgt. Weiss und eher im moderneren Stil passt besser als irgendwelche Bluejeans oder Skihosen.

Eis, Schnee, Glitzer, Silber wird anhand der silbernen Winterjacke ins Thema integriert, die ich in einem Kinderkleiderladen in der Grösse XS zum halben Neupreis kaufte und sogar eher noch ein wenig oversized wirkt, was eh cool ist und sehr jugendlich wirkt.

Ein Eyecatcher im wahrsten Sinne des Wortes ist das originale Makeup von Ende der 70er-Jahre, mit dem dunklen ins Kornblumenblau hineinlaufende Lidschatten, was zum Discooutfit für den Samstagabend getragen wurde und hier ich auf jeden Fall nicht verändern wollte und eine Restaurierung die Figur in ihrem Charme verändert hätte. Dunkle Haare (auf jeden Fall kein Blond!) mit dunkler Wollmütze, dunkel getönte Vintage-Sonnenbrille, mit transparentem Gestell. Ich überlasse nichts dem Zufall, fühle mich einfach oft intuitiv in die Szene ein, was an Details noch fehlt. Ein Spot von hinten auf dem Gesicht, um die hübsche Silhouette herauszuarbeiten, sowie klare Licht-Schatten-Konturen bei den Portraits und ein seitlicher Hauptspot als Gegenlicht zum Strahler auf der rechten Seite, der dem Hintergrundbild die nötige Präsenz verleiht. Das Bild ist transparent, also musste ich die Deckenstrahler perfekt auf die Pannels auf der Rückseite ausrichten, damit die mittige Kreuzverstrebung des Holzrahmens nicht als Schatten sichtbar ist und das ganze Konzept zerstört.

Das Bild habe ich bei „Ifolor“ ab einem Handyfoto vergrössern lassen und extra noch vor dem Auftrag etwas aufgehellt, nachgeschärft und richtig erstrahlen lassen. Perfekte Arbeit, perfekte Ausführung in der passenden Grösse und es hat vom Gewicht her der in meiner Werkstatt auffindbare stärkste Silk gereicht. Die Ausrichtung und Position im ganzen Schaufenster muss perfekt sein; nicht zu dominant, aber vollkommen präsent. Die Lichtquellen und Strahler habe ich in meiner Werkstatt grösstenteils selbst umgebaut und mit LED ausgestattet, was nicht nur in Bezug auf Stromverbrauch, sondern auch hinsichtlich der Wärme die bei alten Leuchtmittel abgegeben wurde, ein absoluter Vorteil ist. Das Bild entstand in der Nähe meines Wohnortes Beromünster, in der Chüeweid, nahe dem Waldrand, wo am frühen Morgen die Sonne aufgegangen war, nach einer nebligen, kalten, windigen Nacht, was die Kristalle an den Bäumen gefrieren liess. Einfach wunderschön und so passend zum Display!

Schliesslich kamen noch die Details zum Zug, wie zum Beispiel die Eiszapfen am oberen Spiegelrand, der mit „Schnee“ bedeckt ist. Dann hatte ich einen Kampf mit meinem Bluray-Player, der nicht richtig laufen wollte und der TV-Bildschirm dunkel blieb. Nach aufwendiger Fehlersuche, wechselte ich den USB-Stick und wie durch ein Wunder funktionierte plötzlich alles….

Genauso aufwendig war die perfekte Positionierung des Ventilators, der nicht zu hoch ins Bild hinein ragen durfte, aber auch nicht zu weit weg von der Figur. Denn der Wind sollte ihre Haare etwas flattern lassen, aber der Winkel musste genau berechnet werden, sonst hätten sich die Lichtergirlanden bewegt, an der rückseitigen Pannele. So musste ich auch die Eiszapfen fest montieren, aber so, dass sie ohne den Spiegel zu beschädigen wieder demontiert werden können, sonst hätten sie sich auch hin- und herbewegt. Für einen Perfektionisten eine unmögliche Situation!

Dann sah ich bereits noch vor der Montage des VAMD-Schriftmotivs, welche Probleme ich zu lösen hatte. Die Schriftart musste derjenigen im Blog ähnlich sein. Die Schriftgrösse musste im Verhältnis zur Dimension des TV’s sein, die nicht dominieren durfte. Dann musste es einen Silberspray hoher Deckkraft und Qualität sein, um das Silberthema der Jacke und des Spiegelrahmens, sowie dem gesamten Thema Blau/Silber/Weiss zu entsprechen. Ich fand im Baumarkt Lettern aus Karton. Leicht musste es sein, also auch die Platte, auf die ich diese Buchstaben mit Holzleim aufklebte, bevor ich sie besprühte, denn die vor Ort durchgeführte Positionierung konnte erst vorgenommen werden, als alles schon praktisch fertig eingerichtet war; und wären die Lettern in einer Reihe angeordnet worden, hätten sie nicht silbern leuchten können, da nachts von draussen kein Licht hineinströmt. Ich hatte also die Idee sie versetzt auf der Grundplatte aus Presskarton aufzukleben, damit ich am Ende seitlich mit einem kleinen Spot von der angrenzenden Wand her so gebündelt Licht darauf geben konnte, sodass sie gut lesbar sind und von unten durch die kleine Alufolie einen Reflektor erhalten. Drei Tännchen noch daneben mit batteriebetriebenen LED-Minilämpchen und auf den Buchstaben etwas Watte, um den „Schnee“ auch in diesem Detail zu zeigen, stehen links neben dem VAMD-Schriftzug des Blogs.

English translation:

Since 2021, I've had the idea in the back of my mind of staging a performance featuring my seated John Nissen mannequin on an old metal sled I found in a secondhand shop. It reminds me of my early childhood, when, at around seven years old, I would race down the short, steep slope in front of the "Heubeeribühl" schoolhouse on a similar small, red sled, just like the "fire brigade" in winter. As a teenager, I naturally ventured onto the specially prepared toboggan run in Davos, where you could shoot through a specially groomed ice channel – or, at 23, when my friends and I were more interested in who would be the first to reach the finish area at the end of the winding mountain pass, having "survived" the wrestling-style attacks on the sleds along the way.
John Nissen's series "Jeunesse" (German: "Jugend") was produced and sold worldwide in the late 1970s and early 1980s and aimed to represent the younger generation, while "Madame" and the series "Fashionable" were clearly developed for the adult clientele.
Emotional faces and gestures (original catalog images from that time above) were intended to embody the spirit of young women and be appealing. I assume the age range was between 18 and 23, but this is only an estimate and not documented. Unfortunately, the catalogs are no longer fully available, which is why I cannot be 100% certain that my seated figure (top left with the boots) bears the serial number CT 18.
What often happens with this series is that, over time and decades, the arms and hands are swapped by the respective owners for various reasons, often because they no longer had reference images from catalogs. Because the wrist and shoulder joints are technically compatible within the series, and even across different series, it's likely that a different arm was simply fitted from a boutique's stock when one broke, or that the time wasn't taken to correctly assemble the parts according to the serial numbers, which are usually marked by hand with a black felt-tip pen, in order to meet aesthetic standards.
This is how you realize, at the latest when developing ideas for how to showcase the model (here on the left, 2021, during test shots with the red sled), where the aesthetic problem lies, because the gesture has nothing in common with the one in the original catalog from that time. When dressed, the often visible overhang in the shoulder joint doesn't bother you in terms of the fit of the groove, since it's concealed. But for a dedicated collector, incorrectly attached parts are, of course, very annoying, unless you imagine a possible gesture while riding the sled: naturally, the indispensable glance at your phone!
But this is precisely what makes art so appealing, which is why my project is called "Vintage Art Mannequin Display"—various elements are combined into a cohesive whole, according to my vision of a harmonious whole.

Of course, the sled has to be tilted to add dynamism to the scene. This hill and slope only need to be suggested, but it should be perceived as snow-covered; stable enough that the sled with the mannequin on it stays in this position. I built the base on a small coffee table using logs and a white cloth, and "distributed" the snow with stuffing, which was fluffier and much easier to work with than regular cotton wool, but a bit darker. So I bought a can of glitter, and suddenly this "snow" looked incredibly realistic, mainly due to the glitter effect. This, of course, only works with plenty of light and the ideal positioning of the light sources.
In this project, I can draw on years of experience as an advertising and fashion photographer, although each display presents its own unique challenges. From the previous display, I kept the mirror (left) and the main light on the right edge of the frame, which, while a warm light, didn't create nearly enough of the desired atmosphere. So, corresponding to the background image, which I had enlarged from a photo of myself, I added the white light tree with dozens of small LED lights. This is meant to echo the LED hanging curtain on the left rear wall and give the whole thing a cozy, homey, and inviting touch, still reminiscent of Christmas. Of course, the figure mustn't slip on the sled at this angle. And nobody will see it: the small blue stripe under its bottom. The floor protection mats from the hardware store, made of a type of firm foam and measuring 50 cm x 50 cm, provide a non-slip grip to the items placed on them and can be cut to the desired size with normal scissors (and they are also available in grey).
The white trousers, size 34 (US 4), are from the secondhand shop in Reinach AG (Switzerland) near where I live. They have a drawstring waistband and an elasticated waist, which ensures a good fit on seated mannequins. White and a more modern style is a better choice than blue jeans or ski pants.
Ice, snow, glitter, and silver are integrated into the theme using the silver winter jacket, which I bought in a children's clothing store in size XS for half the original price and which even looks a little oversized, which is cool and looks very youthful.
A real eye-catcher, in every sense of the word, is the original makeup from the late 70s, with its dark eyeshadow blending into cornflower blue. This was worn with a disco outfit for Saturday nights, and I definitely didn't want to change it, as a restoration would have altered the figure's charm. Dark hair (definitely not blonde!) with a dark wool hat, dark-tinted vintage sunglasses with transparent frames. I leave nothing to chance; I often intuitively connect with the scene and sense what details are still missing. A spotlight from behind on the face to highlight the pretty silhouette, as well as clear light and shadow contours in the portraits, and a main spotlight from the side as a backlight to the spotlight on the right, which gives the background image the necessary presence. The image is transparent, so I had to perfectly align the ceiling spotlights with the panels on the back so that the central cross brace of the wooden frame wouldn't be visible as a shadow and disrupt the whole concept.
I had the image enlarged from a mobile phone photo by "Ifolor" and then brightened and sharpened it slightly before ordering, making it truly shine. Perfect work, perfect execution in the right size, and the heaviest silk I had in my workshop was sufficient in terms of weight. The alignment and position within the shop window had to be perfect; not too dominant, but fully present. I converted most of the light sources and spotlights myself in my workshop, equipping them with LEDs, which is a definite advantage not only in terms of energy consumption but also regarding the heat emitted by the old bulbs. The image was taken near my home in Beromünster, in Chüeweid, near the edge of the forest, where the sun had risen early in the morning after a foggy, cold, windy night, which had frozen the crystals on the trees. Simply beautiful and so fitting for the display!
Finally, the details came into play, such as the icicles on the upper edge of the mirror, which is covered in "snow." Then I had a struggle with my Blu-ray player, which wouldn't work properly and the TV screen remained dark. After extensive troubleshooting, I changed the USB stick and, as if by magic, everything suddenly worked....
Equally challenging was perfectly positioning the fan, which couldn't protrude too high into the frame, but also not too far from the figure. The wind was meant to make her hair flutter slightly, but the angle had to be calculated precisely, otherwise the strings of lights on the back panel would have moved. Similarly, I had to securely mount the icicles, but in such a way that they could be removed without damaging the mirror, otherwise they too would have moved around. For a perfectionist, this was an impossible situation!
Even before mounting the VAMD lettering, I could already see the problems I would have to solve. The font had to be similar to the one on the blog. The font size had to be proportionate to the dimensions of the TV, so it wouldn't dominate. Then I needed a high-coverage, high-quality silver spray to match the silver theme of the jacket and mirror frame, as well as the overall blue/silver/white theme. I found cardboard letters at the hardware store. It had to be lightweight, including the board I glued the letters to with wood glue before spraying them, because the final positioning on-site couldn't be done until everything was practically set up. And if the letters had been arranged in a row, they wouldn't have shone silver, since no light from outside penetrates the space at night. So I had the idea of ​​gluing them offset onto the base plate made of pressed cardboard, so that I could ultimately shine a small spotlight from the adjacent wall onto them in such a focused way that they would be easily readable and would have a reflector from below through the small aluminum foil.
Three small fir trees next to it, with battery-operated LED mini-lights and some cotton wool on the letters to show the "snow" in this detail, stand to the left of the VAMD lettering of the blog.

Alison Fitzpatrick von Adel Rootstein, aus der Serie „Bar Belles“ mit der Seriennummer BB08, oder: „Arielle“ ist nun auch in meiner Sammlung ;-)

Schon länger gehört eine Alison Fitzpatrick mit der Nummer BB08 von Adel Rootstein aus der Serie „Bar Belles“ zu meiner Sammlung und auch zu meinen Lieblingsfiguren schlechthin. Über ihre „Schwester“ mit der Nummer BB09 habe ich bereits vor einigen Jahren einen ausführlichen Artikel hier im Blog geschrieben:

Dies ist nun die andere Stellung; sehr dynamisch:

Diese steht in meinem Vitrinenzimmer in der Wohnung und hat dort ihren Platz zugewiesen, den sie verteidigen würde, wenn ich sie dort wegnähme. Für mein Showroom mit der Bar Belles Gruppe, hatte ich vorerst eine BB09 mit einem defekten Ohr platziert. Doch nun habe ich nochmals eine BB08 von einem im Frühling verstorbenen Sammlerkollegen angekauft, wie auch meine neue Violetta Sanchez mit den Glasaugen (BB12).

In diesem Bild (unten) sieht man vorne an der Stange Violetta Sanchez mit der Nummer BB06, dann eine Alison Fitzpatrick BB08, eine Deborah BB10, eine Roxanna BB11 und eine Violetta Sanchez BB12 – und zu meiner Sammlung gehören noch drei BB09, eine zweite BB11 und BB12. Beim Poker würde man „Royal Flush“ sagen. Das höchste was man erreichen kann. Besser geht nicht!

Meine Alison Fitzpatrick mit der Nummer BB08 habe ich ein wenig in der Art von der Meerjungfrau „Arielle“ gestylt. Nachstehend ein KI Bild von mir…

VAMD Vintage Art Mannequin Display ist nun als zweiten Blog von mir online (s. Link) und wird laufend ausgebaut

https://vamd.ch/

Im Unterschied zu diesem Blog hier, der nun nach 7 Jahren sich einer grossen Beliebtheit erfreut (und ich leider in den vergangenen Monaten etwas wenig Zeit hatte Artikel zu verfassen), wollte ich zusätzlich einen Blog, in dem lediglich eigenes Bildmaterial zum Thema Schaufensterpuppen, bzw. von der eigenen, sehr umfangreichen Sammlung präsentiert werden kann.

Informationen zu den Hintergründen, den lebenden Frauen, die den Künstlern Modell gestanden hatten, zu den originalen Katalogen und zu ganz allgemeinen Themen findet man immer noch hier im Blog „Faszination Mannequins“. Nach wie vor kostenlos und ohne störende Werbung, was heutzutage eine Seltenheit ist.

Im Blog des VAMD-Projektes stelle ich meine kreative Seite vor, um auch den vielen Fragen zu begegnen, die mir gestellt werden, wonach vielleicht auch etwas besser verstanden werden wird, weshalb ich so minutiös sammle und worin der Unterschied zu einer Briefmarkensammlung ist. Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit zurück am Stubentisch mit meinem Grossvater, als im Hintergrund die alte Pendeluhr mit ihrem „Tick-Tack“ einem in die Gegenwart zurück holte, denn diese verging mit ihm so schnell, dass man in der vom Zigarrenrauch neblig gefüllten Stube wie in einer Art Zeitkapsel eingeschlossen war, ich mich aber wohl fühlte und diese ungern jeweils wieder verliess. Mit ihm war das Briefmarkensammeln das Grösste, auch wenn diese kleinen, farbigen Papierfetzen im Grunde nichts wert waren und wir mehr spielerisch durch Tausch versuchten unsere Sammlungen zu komplettieren. Ich lernte so viel über die Welt, über die Geschichte und mein Grossvater war nie verlegen. Er wusste auf sehr vieles eine Antwort; und ich war schon immer wissbegierig. Das Haus war komplett aus Holz, mit dünnen Wänden, kleinen, doppelverglasten Fenstern, mit Fensterläden, wie bei einem Lebkuchenhäuschen. Die heimelige Atmosphäre wurde durch den Kachelofen und der winzigen Stube, in dem ein grosses Buffet mit einem alten Radio stand, verstärkt. Der Esstisch wurde nur bei Besuch aufgedeckt; sonst ass man in der winzigen Küche, eingehüllt in den Duft einer wohlriechenden Gemüsesuppe.

Auch bei meiner Grossmutter väterlicherseits verbrachte ich viel Zeit, sass ihr Modell, so wie meine Schwester und viele die ich kannte. Da war dieses grosse Haus, mit diesen lichtdurchfluteten Zimmern, das mein Grossvater 1959 baute, als Architekt und Mitinitiator und Zeitzeuge der berühmten Bauhauszeit. 2024 erschien ein Buch über dieses geschichtsträchtige Bauwerk:

https://www.hochparterre-buecher.ch/haus-steiger-doldertal-zurich-1959.html

Dem zentralen, sehr geräumigen, wabenförmigen, zentral angelegten Raum, gliederten sich Nebenräume an, die teils funktional mittels Schiebewände gegenüber den anderen untertrennt werden konnten. Oft waren sie aber in gefaltetem Zustand beiseite gestellt, wonach je nach Jahreszeit die Natur um das Haus herum herein zu fluten schien.

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In einem gegen Westen und mit Zugang zur Terrasse ausgerichteten Raum, war ein Atelier für meine Grossmutter Flora Steiger-Crawford eingerichtet worden, in dem sie als Bildhauerin ihre Plastiken anfertigte. Es roch nach frischem Ton, der in feuchte Tücher gehüllt bis zur Fortsetzung der Arbeit modellierbar sein sollte; aufgetragen in Schichten, verstärkt durch skelettartige Drahtgestelle, die sie umhüllten. Überall standen auch Gipsmodelle. Wie meine Grossmutter mir erläuterte, Abgüsse der getrockneten Originale aus Lehm, wonach im weiteren Produktionsschritt teuer und schwere Abgüsse aus Bronze hergestellt wurden. Witterungsresistent standen sie um das Haus herum im Garten, oder neben der Fassade und warfen ihre Schatten auf die hellen Betonwände, oder in das Grün des englischen Rasens.

Screenshot

Aber sie standen auch im Wohnbereich, teils dünn und dürr, durch Inspiration von den Skulpturen von Alberto Giacometti. Wieder andere waren üppig und weiblich; und von Doris (ein ehemaliges Fotomodell) war ich so begeistert, dass sie aus heutiger Sicht vermutlich in der quasi „Zeitzone des Urknalls für meine Begeisterung für Schaufensterfiguren“ zu suchen wäre.

In dieser kontrastreichen Welt bin ich aufgewachsen; und ich pendelte als Bub vom Beackern des heimischen Gartens meines Grossvaters mütterlicherseits, in die von feuchtem Lehmgeruch geschwängerten Hallen meiner Grossmutter, die später dann in meinem Leben eine ausserordentlich wichtige Rolle einnahm.

(Text wird noch fertig gestellt…)

Link

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John Nissen „Jeunesse“, Nr. CT 14

Ein bischen grimmig schaut sie schon drei, aber auch selbstbewusst mit dem in die Hüfte gestützten rechten Arm. Super gestylt in diesem Safari-Look.

Ich hatte im vergangenen Jahr gleich zwei Mal das Glück eine New John Nissen „Jeunesse“ mit der Seriennummer CT 14 zu kaufen. Leider bei der einen mit nicht ganz konformen Teilen, wie sie im Katalogbild von damals zu sehen ist.

New John Nissen „Jeunesse“, Original-Katalogbild CT 14 (links)
Schon vor meinem Kauf dieser CT 14 wurde sie etwas aufgehübscht und erhielt vom Vorbesitzer ein paar Sommersprossen im Gesicht….
Kurz nach dem Kauf beim Vorbesitzer: erstes Foto und ein erster Check, ob wirklich alle Teile entsprechend dem Katalog die identische Seriennummer tragen. Das war hier der Fall…. Es ist eine CT 14!
Im Vergleich zur New John Nissen „Jeunesse“ CT 14 oben, hier kurz nach dem Kauf beim Verkäufer gemachtes Foto meiner zweiten CT 14, mit einer falschen rechten Hand…..

Man sieht im obigen Vergleich der beiden New John Nissen „Jeunesse“ CT 14-Figuren, dass bereits eine andere Handstellung, als es original gedacht war, das Gesamtbild, die generelle Erscheinung wesentlich verändert.

Meine zweite New John Nissen „Jeunesse“ CT 14 mit falscher Hand, zusammen mit einer Almax (links)…

Mit einer CT 14 lässt sich wie oben noch gut eine Stimmung erzeugen (mit einer Almax zusammen).

Anhand der obigen letzten Bilder sieht man deutlich wie ungewöhnlich am Ende eine Körperhaltung werden kann, wenn wahllos verschiedene Teile, auch von der selben Serie, vom selben Hersteller, zusammengestellt werden. Aber ich kaufte diese trotzdem. Ich mag diese Serie mit den speziellen Gesichtern….

Projekt 8006: Die Restaurierung einer alten Hindsgaul „On the seaways“ aus dem Jahr 1972, mit der Seriennummer 8006

Hindsgaul „On the seaways“ 8010 mit lachendem Gesicht und gespreizten Armen, im Gegensatz zur 8006 mit ebenfalls lachendem Gesicht, aber mit verschränkten Armen.

Die Hindsgaul „On the seaways“ mit der Nummer 8010 ist einfach definitiv eine meiner Lieblingsfiguren. Sie versprüht Lebensfreude, Herzlichkeit, ja gar eine Art Unbeschwertheit, mit ihrem fröhlichen Lachen. Sie gibt ein Lebensgefühl wieder, das ich in meiner Jugend teilweise erleben durfte, als plötzlich in der Unterstufe ganz junge Lehrer mit uns Kindern auf der Gitarre Lieder spielten. Eine Art „Mini-Woodstock“ im Klassenzimmer; und die 8010 stellt für mich eine Art Remineszenz an diese Zeit anfangs Pubertät dar, als ich ganz fest in Brigitte Bardot verliebt war und natürlich ein wenig in meine junge, hübsche Lehrerin, auch weil sie ganz fest daran glaubte, dass aus mir eines Tages etwas werden würde. Das war 1972 – und sie sollte recht behalten. Die „On the seaways“-Serie von Hindsgaul wurde ebenfalls im Jahre 1972 produziert und auf den Markt gebracht. Die 8010 (siehe auch Link zu einem älteren Artikel über diese Figur) bekam von mir dann dieses hübsche, hellblaue Kleidchen, die Halskette mit dem Blumen (Flowerpower) und die Herzchen-Sonnenbrille, was ihr Ausdruck noch verstärkt.

Katalogbild aus dem Jahr 1972 von einem Hindsgaul-Mannequin aus der Serie „On the seaways“ mit der Seriennummer 8010, neben der sitzenden 8016.

Beim oben abgebildeten Katalogbild der Hindsgaul „On the seaways“ 8010 ist die offene Pose, mit den ausgebreiteten Armen gut sichtbar, wie auch bei einem Schwarzweiss-Foto aus anfangs der 70er-Jahre, wo sie im Scheinwerferlicht in einem Laden neben der sitzenden 8015 aus der selben Serie steht, welche ich ebenfalls besitze und aktuell gerade restauriert wird.

Links im Scheinwerferlicht eine Hindsgaul „On the seaways“ 8010 mit den ausgebreiteten Armen – offene Pose.

Im Gegensatz zu dieser Pose mit ausgebreiteten Armen, wurde quasi die selbe Figur (Torso und Beine) mit verschränkten Armen produziert: die 8006.

Hindsgaul „On the seaways“ 8006, ebenfalls mit lachendem Gesicht, wie die 8010, aber mit verschränkten Armen.

Mir gefällt die 8006 aus der Serie „On the seaways“ von Hindsgaul auch sehr gut, aber sie ist noch seltener als die 8010, die ja bereits extrem selten ist – es gibt von ihr weltweit, nach meiner Einschätzung, vielleicht noch 5 Exemplare. Da ich mit fast allen Sammlern rund um den Globus vernetzt bin und ich deren Sammlungen kenne, weiss ich, dass eine 8010 in England in einer Sammlung und eine in Moskau. Aber von einer 8006 habe ich noch nie gelesen und noch nie mehr ein Bild gesehen, auf denen sie korrekte Arme, wie im Originalfoto hätte. Das Problem: die Schulterkupplungen sind kreisrund und die Bolzen über mehrere Serien identisch. D.h. die Schaufensterdekorateure, generell die Nutzer der Mannequins, tauschten die Arme, weil sie entweder eine eigene Version der für sie nützlichen Pose brauchten, oder sie unbedacht und ohne den Katalog zu konsultieren, einfach beliebige Arme an die Schultern hingen, was natürlich viel schneller mit weniger Aufwand zu bewerkstelligen war. Bei diesem Foto (unten) eines Schaufensters aus dieser Zeit ist besonders für einen Profi sofort zu erkennen, dass willkürlich die Arme der Figuren untereinander ausgetauscht wurden. Zum Beispiel hat die 8003 im blauen Kleid den rechten Arm und die rechte Hand von einer 8006, die entweder zur lachenden Figur im grünen Kleid, oder im hellen, gräulichen Kleid (ganz rechts) gehört. Grundsätzlich kann man von der Annahme ausgehen, wonach sich auf dem Bild sowohl eine 8010, aber auch eine 8006 befindet. Durch die vertauschte Anordnung der Arme, ist aber die Zuordnung nur anhand dieses Bildes sehr schwierig wegen der Ähnlichkeit. Nicht alle Teile wurden damals mit gestempelten Seriennummern ausgestattet, was die Identifikation noch schwieriger macht.

Eine Schaufensterdekoration anfangs der 70er-Jahre (mindestens 1972, da in diesem Jahr die Serie „On the seaways“ von Hindsgaul auf den Markt kam. Es handelt sich hier um fünf Hindsgaul „On the seaways“-Figuren, bei denen aber die Arme willkürlich vertauscht wurden und so die Identifikation erschweren, wenn nicht sogar verunmöglichen. Ich erkenne mindesten eine 8006, die verschränkte Arme haben sollte…..

Vielleicht hat damals auch keiner gedacht, dass über 50 Jahre später diese Arme und dessen Stellung einem Sammler von grosser Bedeutung ist, nicht nur weil er so nahe ans Original bei der Restaurierung kommen will, sondern auch, da es weltweit vermutlich nur noch ganz wenige 8006 gibt, meines Wissens aber nur eine Einzige restaurierte mit verschränkten Armen nahe am Original.

Eine Hindsgaul „On the seaways“ 8006 mit falschen Armen und mit vielen Schäden (links) hatte ich 2023 zusammen mit einer Group 2 (mitte) und einer La Femme (beide Hindsgaul) gekauft.

So war diese Hindsgaul „On the seaways“ 8006 mit falschen Armen versehen, als ich sie mit einer ebenfalls äusserst seltenen Group 2 und einer La Femme (beide auch von Hindsgaul) im Internet auf einer Verkaufsplattform ersteigerte. Ihre linke Brust war eingedrückt und verschiedene Lackschäden waren zu sehen. Es lohnte sich aber, sie wieder zu neuem Leben zu erwecken, weshalb ich sie auch restaurieren liess – nach meinen Vorstellungen, d.h. nach meinem Konzept.

Bei solch einer seltenen Figur wie das Hindsgaul Mannequin aus er Serie „On the seaways“ mit der Seriennummer 8006 lohnt es sich etwas Geld für die Restaurierung zu investieren und vor allem Zeit, um das Konzept zu entwickeln.
Bereit zur Restaurierung, zur „Wiedergeburt“ nach 52 Jahren: meine Hindsgaul „On the seaways“ 8006 in der Spritzwerkstatt von Zellex, wartet noch auf den korrekten rechten Arm, damit die Figur so nahe wie möglich an das Original heran kommt.

Da wurde geputzt, geschliffen und gespachtelt. Ich gab die Farbe, das Makeup und die finale Armstellung vor, für die ich aber mehrere Monate brauchte und stundenlang in meinem Ersatzteilarchiv nach passenden Teilen suchte. Schon nach kurzer Zeit fand ich zumindest den linken, passenden Arm mit Hand, den ich in einer Plastiktüte schön säuberlich angeschrieben in einer der Kisten mit Teilen entdeckte.

Wichtiges und notwendiges Ersatzteil in einer meiner Kisten: linker Arm mit Hand, der für eine Hindsgaul „On the seaways“ mit den Nummern 8004 – 8006 passend wäre. So bekam meine 8006 zunächst den richtigen linken Arm mit Hand.
Das Problem mit dem rechten Arm war dann noch ziemlich rasch gelöst…

Später fand ich noch einen angewinkelten rechten Arm und eine Hand, wobei wichtig war, dass der Oberarm nicht an der Brust streifte. Diese Stellung gefiel mir aber nicht besonders, da auch die nach oben gerichtete Hand fehlte, welche sich auf den Oberarm stützen sollte (siehe Katalogbild unten).

Bild einer 8006 im Originalkatalog von 1972
Sehr schöne, sinnvolle, stimmige Pose, die sehr nahe an das Original heranreicht, wobei der Ausdruck – das Wichtigste – vollständig erhalten bleibt.
Sinnlich, magisch……
…fröhlich und unbeschwert… Ganz tolle Figur!!!

Die Suche nach der Pose / Hat das „Carina“-Titelblatt vom Juni 1983 einen Einfluss auf die Pose von einer Hindsgaul „Kids“ 2403 einen Einfluss ausgeübt?

Seit mein Interesse für Schaufensterfiguren vor bald 20 Jahren geweckt wurde, fragte ich mich manchmal, woher die Entwickler und Produzenten die Ideen für die Posen, für die zum Teil „eingefrorenen“ Bewegungen der Mannequins haben. Setzen sie sich in ein kleines Café am Rande eines belebten Boulevards in einer Grossstadt, oder beobachten sie Menschen bei einer Grossveranstaltung, bei der möglichst viele, unterschiedliche Gestalten innerhalb kurzer Zeit ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen? So manche Catwalk-Ikone stand schon John Taylor, dem Bildhauer von Adel Rootstein, Modell und auffallend oft, ähneln die Posen der Grazien aus Fiberglas den Endpositionen der echten „Gazellen“ auf dem Laufsteg, bevor es im eleganten, schwebenden Schritt wieder zurück hinter die Bühne geht. Wenn man also eine Karen Mulder besitzt und ein wenig recherchiert, findet man Fotos von ihr aus den 90er-Jahren, auf denen sie in der beinahe identischen Körperhaltung vor grossem Publikum steht und die Mode eines berühmten Designers präsentiert. Aber wie ist das bei Hindsgaul? Ausser Angie Hill, hat dieser Hersteller praktisch keine realen Menschen als Vorbilder für die Produktion von Mannequins verwendet. Also über welchen Weg liessen sich die Designer inspirieren? Wir wissen es nicht; wir können nur spekulieren. So erscheint mir die folgende Überlegung zwar einleuchtend, aber es bleibt eine Vermutung, da es dazu keine gesicherten Belege gibt.

Nicht nur Haute Couture boomte in den 80er-Jahren, sondern Mode auf breiter Linie, also auch Strickkode zum selber machen. „Burda“ und „Carina“ waren zwei dieser Zeitschriften, die begeisterte Näherinnen und Strickerinnen sich regelmässig kauften; und noch heute bekommt man auf ebay Exemplare von damals.

Titelblatt von einer „Carina“-Strickzeitschrift vom 13. Juni 1983

Kürzlich entdeckte ich dieses Foto einer „Carina“-Zeitschrift vom Juni 1983 und erinnerte mich natürlich sofort an meiner Kinderpuppe, die ich habe.

Hindsgaul Kinderserie „Kids“, Nr. 2403

Es ist eine Hindsgaul 2403 in einem sehr guten Zustand, wobei das Datum der Produktion auf der inneren Fläche der Beinabschlussplatten gestempelt ist. Diese Figur wurde also am 06.03.1989 produziert.

Bei vielen Hindsgaul-Figuren wurden die Produktionsdaten gut sichtbar gestempelt. Hier handelt es sich um den 06.03.1989
Katalogbild der Hindsgaul „Kids“-Figur 2403 von 1984

Lanciert und erstmals auf den Markt gebracht, wurde die „Kids“-Serie von Hindsgaul aber bereits 1984, also wenige Monate nach der Veröffentlichung der „Carina“-Zeitschrift.

Hindsgaul „Kids“-Serie

Handelt es sich hier aufgrund der frappanten Ähnlichkeit der Posen von dem Mädchen auf dem „Carina“-Titelblatt und dem Mädchen aus der Serie „Kids“ von Hindsgaul um reinen Zufall? Sind es sehr typische Körperhaltungen von Kindern, wenn sie auf etwas warten, etwas beobachten, oder einfach entspannt posieren möchten? Oder hat das Hindsgaul-Designteam aus Dänemark auch deutsche Strickpostillen gekauft, um sich von den Bildern inspirieren zu lassen? Möglich wär’s, auch würde ich sehr gerne den Weg wissen, wie die Idee von der Inspirationsquelle genährt, sich verfestigt und dann (wie im vorliegenden Fall) zur mutmasslichen Entscheidung führt: „Tolle Pose in der ‚Carina‘! Machen wir auch!“

Hindsgaul Kinderfiguren

Plissee passé! New John Nissen Mannequins im Plisseerock. Ein Klassiker geht definitiv unter!

Man betont den Begriff auf dem Doppel-E am Ende des zweisilbigen Wortes: Plissee. Wegen dem Doppel-S etwas scharfzüngig, aber im gesamten Ausdruck mondän, fast im überheblichen Unterton, wurde dieser Begriff, genauer gesagt jener des Plisseerocks, von meiner Mutter in einem Tonfall ausgesprochen, so als wolle man sich explizit noch von der Bourgeoisie deutlich abheben. Meine Mutter sprach mehrere Sprachen perfekt, auch Französisch. Deshalb sah ich es ihr nach, wenn ab und zu dieses Wort fast flüsternd ihre Lippen verliessen, durch den Raum schwebend, den Zauber der Eleganz hauchend; Noblesse oblige – aristokratisch klang der damals wieder sehr modern gewordene Maxirock mit Falten. Mir gefiel er nie; in der ganz langen Version über die Knie sowieso nicht. Wenn überhaupt, dann in der sexy Kurzversion, wie sie Leonie Hanne 2024 in Paris als Influencerin trug.

Doch so kurz gab es ihn damals nicht. Mehrfarbige verspielte Plisseeröcke von Christian Dior (60er-Jahre) sah man kaum…..

https://www.etsy.com/ch/listing/1639907106/vintage-60s-christian-dior-rock-1960er

Irgendwann in den 80er Jahren verschwand er ganz und die emanzipierte Frau trug Jeans. Wenn es edel sein sollte einen Maxirock ohne Plissee. Irgendwann vor zwei, drei Jahren sah ich auf dem Flohmarkt einen Plisseerock, der sicher Vintage war; und ich dachte noch: „Vielleicht neu erfunden, könnte dies wieder ein Modetrend werden.“

Urplötzlich tauchte das Kleidungsstück in den Modezeitschriften wieder auf, ab 2023 und im Folgejahr. In der Überschrift der GALA war zu lesen: „Plisseeröcke. Das Revival des Modeklassikers!“

GALA Plisseeröcke Das-Revival des Modeklassikers

Und wie von mir erahnt, wurden sie neu gedacht, wie der Plisseelederrock, den Chiara Ferragni im Juni 2024 präsentierte, mehr als 100 Jahre nach den ersten Plisseerücken in den 1920er-Jahren.

Begeisterung auch bei der deutschen VOGUE 2024: „Plisseerock kombinieren….“

VOGUE 2024 Plisseerock kombinieren….

Im November 2024 kam dann der „Paukenschlag“! Die ELLE titelte: „Plissee adé!

ELLE November 2024: Plissee adé!

ELLE doppelt im Februar 2025 vor einigen Tagen nach: „Bye-Bye (Plisseeröcke)Diesen Rocktrend trägt 2025 niemand mehr“

ELLE Bye-Bye! Diesen Rocktrend trägt 2025 niemand mehr

Vielleicht ist er nun für immer verschwunden? Vielleicht hatte ja meine Mutter recht, wenn er – Noblesse oblige – durch den Raum schwebte, wie ein Geist….. Die Modewelt hat entschieden: er gehört ab sofort und vielleicht für immer in die „Flasche“ zurück! Aber aus meiner Sicht nicht bevor man sich diese Fotos von New John Nissen Mannequins angeschaut hat, die kürzlich auf Facebook gepostet wurden. Es handelt sich bei den beiden um Schaufensterpuppen aus der Serie „Beauties“, mit den Seriennummer PW 13 Leslie und PW 14 Grace:

New John Nissen Originalkatalogbild mit (oben rechts) der Figur Leslie (PW 13) und Grace (PW 14) aus der Serie „Beauties“

Traumwelten: Lynne Guerney in „Antarctica Parad-ice“. Adel Rootstein Mannequin aus der Serie „Point and Counterpoint“ mit der Nummer CP 07 schafft es ins Finale!

Ideen für meine Konzepte „Traumwelten“ habe ich viele, aber es ist eine wahre Herausforderung, innerhalb eines so begrenzten Raumes, auf dieser kleinen Fläche etwas zu gestalten, das mir am Ende wirklich gefällt. Ja anspruchsvoll bin ich auch noch; will immer das Beste von mir abverlangen. Natürlich ist mir bewusst, dass der „Flow“, in dem die Kreativität wie eine Quelle sprudelt, nicht mit dem Erzwingen des kaum Erreichbaren zum Ziel führt. Aber einfach in der Hängematte liegen und sich vorstellen, es würde sich dann schon so ergeben, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hat, quasi von alleine: das geht nicht. Eine solche Traumwelt ist schliesslich auch etwas organisches. Es wächst, wie ein Pflänzchen, entwickelt sich – und am Anfang steht eine Idee, ein Konzept, das aber noch undeutlich ist, keine konkreten Konturen hat.

Natürlich wolle ich mit Lynne einmal ein Schaufenster machen. Sie ist so toll! Diese Dynamik in der Bewegung; tänzerisch. „Let’s Dance“ im Fernsehen. Ich schaue jede Staffel. Motsi, Jorge, Herr Llambi: Kult. Glitzerwelten pur, diese Bühnen phantastisch, die Kleider einfach umwerfend schön. Lynne Guerney von Adel Rootstein aus der Serie „Point and Counterpoint“ mit der Nummer CP 07 passt perfekt in diese Traumwelt hinein – und als ich mir überlegte, welche Schaufensterpuppe in meine „Antarctica Parad-ice“-Idee hineinpassen würde, gab es eine Vorauswahl von fünf, sechs Mannequins (aus rd. 400, die mir zur Verfügung stehen). Aber Lynne schaffte es ins Finale, selbst wenn sie eine von jenen Schaufensterpuppen ist, die ganz schwierig ist ohne fremde Hilfe zu bekleiden. Es gibt einen Trick, den muss man kennen. Sonst fällt sie um und erleidet Schaden.

Lynne Guerney von Adel Rootstein aus der Serie Point and Counterpoint mit der Seriennummer CP 07 ist eine äusserst seltene Schaufensterfigur, die durch ihre dynamische Haltung auffällt.

Sie besitzt keine Standplatte. Sie stützt sich mit der linken Hand auf dem Boden auf, mit gespreizten Fingern, was noch mehr Halt gibt, und die Stabilität mit dem rechten Knie, dem rechten Fuss und dem linken Fuss, des nach vorne hin ausgestreckten linken Beins, ergibt eine Drei-, bzw. Vierpunktberührung mit dem Boden. Dies reicht, um fest zu stehen. Es gibt, gab sie mit der offenen Hand und mit der „geschlossenen“, verbundenen Hand, wobei sie mit einer anderen, zweiten Figur in einer tänzerischen Bewegung verharrt.

Links Lynne Guerney CP 07 in tänzerischer Pose mit CP 06, rechts. Die Hände sind verbunden. (Original-Katalog, Adel Rootstein)
Aktueller Stand, anfangs Februar 2025; geplant sind noch einige Details als Ergänzung.
„Parad-ice“: zugefrorenes Polar-Eismeer mit steinigem Untergrund. Die blaue Farbe des LED-Lichtstrangs habe ich nachträglich den Farben auf dem Bild angepasst, welches ich mit KI (Künstliche Intelligenz) auf dem Computer anfertigte, bei Ifolor drucken liess und auf eine Spezialplatte aufzog. Es stellt eine glitzernde Unterwelt dar, mit einem Schloss aus Eis, Bergkristallen und einem teils zugefrorenen, unterirdischen See.
Natürlich hat auch der Pinguin seine eigene Eisscholle bekommen; das war ihm wichtig.
Bei der vorherigen Version ohne Bild, ohne Swarovski-Seerose aus Glas und mit anderen Positionen vom Pinguin und der Robbe, wirkt die Szenerie noch etwas provisorisch und leer. Das wird sich ändern
Youtube-Video, Szene 01, mit KI erstellt: Lynne steht auf und begleitet einen Pinguin zur Seite des Schaufensters.
Lynne zeiht sich Schlittschuhe an und springt aus dem Schaufenster auf ein Eisfeld in einem Eisstadion. Kurzvideo mit KI erstellt

Also zuerst war ich mir über die Wahl der Schaufensterpuppe im Klaren. Nach der engeren Auswahl schaffte es Lynne in das Finale und gewann.

Bereit für den Umzug. Lynne in meinem Atelier / Showroom, bereit für ihren Einsatz im Schaufenster
Lynne zusammengesetzt, angekleidet und in Position gebracht. Schuhe und Perücke fehlen noch.
Wie der schon kuckt: Herzensbrecher Nr. 01, der Pinguin
Herzensbrecher Nr. 02: die Robbe, hier auf meinem Beifahrersitz, kann ihren ersten Einsatz im Schaufenster kaum erwarten.
Noch sieht niemand hinein. Das Fenster im Fenster (Seitenblache von einem Festzelt) war doch eine gute Idee….
Passt: Plexiglasplatte beim Jumbo gekauft… Daraus entstehen die „Eisplatten“, die ich auf den Millimeter genau ausgemessen hatte und vom Schreiner zuschneiden liess
Mein Lasermessgerät von Bosch kommt zum Einsatz. Es geht um Millimeter… Schneematten von der Weihnachtsdekoration und Tannennadeln liegen noch herum….
Die Bodenplatte für das Eismeer mit dem Kiesbett (Design auf Klebefolie) entsteht. Auch hier ist Präzision gefragt und ich kann zum Glück auf meine Erfahrungen auf dem Bau zurückgreifen….
Testserie, um den perfekten Abstand zwischen der Plexiglasplatte, deren Struktur gefrorenes Eis nachahmt, und der Platte mit dem Kiesbett zu finden. Je näher, desto unnatürlicher wirkt die Tiefe des Sees und je weiter weg die Eisplatte vom Kies ist, desto weniger sieht man durch die entstehende Unschärfe, was sich am Boden befindet. Very tricky!!!
Natürlich wie immer, die Liebe zum Detail. In der nahen Papeterie kaufte ich ein Block mit trübem Transparentpapier, um (in eckige Teile zerrissen) die trüben, zugefrorenen Stellen auf der Oberfläche des Sees nachzuahmen. Die Masse passen perfekt; jetzt kommt die Beleuchtung.
Fensterseitig musste natürlich auch noch eine Plexiglasscheibe abgebracht werden, bevor dann die LED-Lichterschlange ausgelegt wurde und der Holzkubus links mit Folie bespannt wurde, die an einen Granitblock erinnern soll.
Die Bearbeitung verschieden dicker Styroporplatten, sodass die Bruchkanten, die auch noch mit dem Teppichmesser bearbeitet werden mussten, tatsächlich wie Abbruchkanten von echten Eisschollen aussahen, brauchte etwas Erfahrung im Umgang mit dem Material….
Jetzt fehlen nur noch die Schatten und grünlichen Stellen, die ich mit wasserlöslichem Lack anbrachte. Die Robbe musste sich etwas gedulden, bis die Eisplatten trocken waren.
Auf einer Samtunterlage positionierte ich die Swarovski-Seerose aus Kristallglas, die ich mit einem Spot zur Geltung brachte.
Die weisse Trauerweide mit Lichterketten vom Landi im Ausverkauf bringt mit viel Licht und Glitzer einen zusätzlichen Glanz in die gesamte Atmosphäre. Blick von der Rückseite des Schaufensters während der Installation….
So gesehen fehlte nur noch ihr Zuhause, der Palast der Eisprinzessin, den ich mittels KI gezeichnet hatte und ausdrucken liess. Er ist wirklich mega-toll geworden!

Dianne Brill, Teil 01 „Shape of the 90s“ – Auswahl der Perücke für eine meiner Brill-Schaufensterfiguren von Adel Rootstein

So erlebte ich es als Jugendlicher, der gerade im Begriff war Berufsfotograf zu werden und aus einer Künstlerfamilie stamme: es war eine Aufbruchstimmung in Kunst und Kultur und mit der Erfindung der Pop-Art setzte Andy Warhol in den USA ein Zeichen, stellvertretend für alle Visionäre und Avantgardisten. In dieser Zeit war New York einer der Zentren; und so ist diese ewig pulsierende Megacity mit Andy Warhol verbunden. Als er damals die Pop- und Stilikone Dianne Brill kennenlernte, nannte er sie „Shape of the 90s“, bezogen auf ihre unübersehbaren, sehr femininen Kurven – die als eine Art Gegenentwurf für Twiggy ins Licht der grellen Scheinwerfer geführt wurde. Strickjacken waren wieder out, die Hippieszene verblasste. Schrill, grell und aufsehenerregend war angesagt. Nie enden wollende, nächtliche Partys…. Supermax‘ „Love Machine“ im Morgengrauen, nach durchgetanzten Disconächten am Ende der Feier, gab das Zeichen dafür, dass man das Lokal verlassen sollte. Ich erinnere mich gut!

Dann kamen die 90er-Jahre; Thierry Mugler, die Haute-Couture Kollektion „Les Insects“. Seine bereits seit vielen Jahren für ihn arbeitende Muse Dianne Brill, mit ihrer Sanduhrfigur, wie geschaffen.

Bereits ende der 80er-Jahre stand Dianne Brill dem Bildhauer John Taylor Model, der einen überwiegenden Teil der Skulpturen jener Zeit für einen der marktführenden Hersteller arbeitete: Adel Rootstein. Die Serie DB 01 – DB 03 (eine eigene Serie mit drei Posen von Dianne Brill) wurde 1990 an der Messe in Düsseldorf vorgestellt.

Screenshot aus dem Youtube-Video „Dianne Brill on One Hour with Jonathan Ross“. Dianne Brill sitzt in dieser TV-Sendung vom 03. September 1990 in der Talk-Show neben einer ihrer Schaufensterpuppen
Heute am 03.02.25 fand ich beim Recherchieren zum Thema dieses absolut umwerfend lustige Video auf Youtube, mit einer schlagfertigen Dianne Brill aus dem Jahr 1990, wobei sie in dieser Talkshow von ihrer Schaufensterpuppe, von ihrem Eebenbild (einer Adel Rootstein-Figur) begleitet wird! Must see!!!
Dianne Brill mit üppiger Oberweite verteilt im Studio kleine Brill-Figuren aus Schokolade, wobei die Zahlen 9 und 0 (für 1990) den beiden Brüsten vorstehen. Sehr lustig!
Dianne Brill (rechts) mit Stardesigner Thierry Mugler (links) ca. 1997 bei einer Modenschau. Quelle Instagram Dianne Brill: https://www.instagram.com/p/CZKhp2QpMR-/?img_index=1
Dieses wunderbare Bild von Dianne Brill fand ich auch auf ihrer Instagram-Seite, das offenbar im Zusammenhang mit einem Zeitungsartikel mit dem Titel „No one said Stop!“ in London publiziert wurde: Quelle: https://www.instagram.com/p/CVS_h_-NqKm/

„Keiner hat Stop gesagt!“ („No one said Stop!“) Diese beeindruckende Frau hat sich immer wieder neu erfunden und ihren Look geändert… vor zehn Jahren:

Dianne Brill erfindet sich immer wieder neu. Quelle Instagram Dianne Brill: https://www.instagram.com/p/BK54zuighdD/
Dianne Brill live (ganz rechts) präsentiert an der Messe 1990 die neue Kollektion von Adel Rootstein DB 01 – DB 03. Drei Posen in einer eigens ihr gewidmeten Serie „Dianne Brill“. Quelle Instagram Dianne Brill: https://www.instagram.com/p/yCrhhySN8q/?utm_source=ig_embed

Nun war mir lange nicht ganz klar, bei dieser enormen Wandlungsfähigkeit von Dianne Brill, für welche Frisur im mich entscheiden würde. Dutzende Fotos, wenn nicht über hundert Bilder, suchte ich mir im Internet zusammen, verglich und beurteilte, fand alles toll…; aber erst als ich auf Youtube ein Schwarzweiss-Video von einem ihrer Auftritte bei Thierry Mugler gesehen hatte, welches noch in einer sehr schlechten Aufnahmequalität war, machte es „klick“ und mir war sofort klar: diese Frisur MUSSTE ich haben! Ich besprach also alles mit meiner Kollegin, die ein Coiffeurgeschäft führt. (Später noch ein Farbfoto gefunden: Quelle Instagram Dianne Brill https://www.instagram.com/p/BQyBShLjMQ3/

Danke Angie!!! Eine Kollegin mit einem Coiffeurgeschäft hat für mich diese sensationelle Perücke angefertigt, speziell für eine meiner Dianne-Brill-Schaufensterfiguren. Ich stellte mir ein ganz nahe am Original liegendes Hairstyling vor, welches sie anlässlich einer Modenschau für Thierry Mugler trug
Erste Bilder der neuen Perücke an einem meiner Dianne Brill-Torsen…..

Weitere werden folgen… Ich bin gespannt..!